Zunächst muß an dieser Stelle geklärt werden, daß mit Geranien nicht die Balkonkasten-Geranien gemeint sind, da es sich dabei um die nicht winterharten Pelargonien handelt, sondern um die, wie der Engländer sagt, Hardy Geraniums, also die winterharten Geranien. Rund 300 Arten ein- und zweijähriger Pflanzen umfaßt die Gattung mit mehreren tausend Sorten, von denen wir uns auf 23 Arten beschränkt haben. Auch bei den Sorten haben wir lediglich die interessantesten im Sortiment. Insgesamt kommen wir so dennoch auf über 140 verschiedene Pflanzen - Tendenz steigend.
Mit dem Trend, Pflanzungen naturnaher und vielgestaltiger zu planen, haben sich die Geranien in den letzten knapp 15 Jahren einen festen Platz in den Gärten erobert, und das nicht zu Unrecht, denn in puncto Vielseitigkeit sind sie kaum zu schlagen. Ob 10 oder über 100 cm Höhe, ob horstig im Steingarten wachsend oder als sich ausbreitender Bodendecker unter Gehölzen, ob für die volle Sonne oder für den tiefsten Schatten, für trockene oder feuchte Standorte, immer sind die passenden Arten und Sorten zur Stelle.
Bei den Blütenfarben ist die Palette nicht ganz so groß - Gelb und Orange fehlen (noch), aber die vorhandenen Farben reichen auch völlig aus. Sie sind nicht so quietschend wie bei manch anderen Arten, sie sind auch nicht reinfarbig mit Ausnahme der Albinoform von G. pratense 'Galactic', die nicht die Spur von Anthocyan enthält, sondern immer eine Mischung verschiedener Farben, die es einem nicht leicht macht, die wirkliche Farbe zu bestimmen. Die bei vielen Arten und Sorten vorhandene Aderung der Blüten macht die Blüten um so interessanter. Auch bei der Blütezeit ist die Gattung sehr vielseitig - von Mai bis in den November hinein sind immer irgendwelche Arten am blühen. Auch bei den Blättern zeigt sich die Vielgestaltigkeit in Blattform, Größe, Farbe, Behaarung, ob sommer- oder auch wintergrün, mit oder ohne Herbstfärbung. Außerdem duften einige Blätter auch noch.
Es gibt also viele Gründe, sich mit den Geranien näher zu beschäftigen. Die Gartengröße ist dabei egal. Im kleinsten Reihenhausgarten gibt es viele passende Plätzchen, im großen Landhausgarten sowieso. Es ist also kein Wunder, daß immer mehr Hobbygärtner die Geranien zu ihren Lieblingspflanzen erklären, Sammlungen anlegen und entweder aktiv oder passiv (indem die Pflanzen sich einfach von selbst kreuzen) die Züchtung vorantreiben. Der Landwirt und Hobbyzüchter Alan Bremner von den Orkneyinseln ist einer der erfolgreichen unter ihnen mit zahlreichen Hybriden, die weltweit in den Gärtnereien zu finden sind.
Das Geranium des Jahrhunderts (Blooms of Bressingham) ist jedoch die Hybride 'Rozanne', die Donald und Rozanne Waterer in ihrem von Pflanzen überquellenden Garten fanden. G. himalayense und G. wallichianum 'Buxton?s Variety', die eigentlich unterschiedliche Blühzeitpunkte haben, überschnitten sich 1989 mit der Blüte. Die Samen, die Rozanne Waterer im folgenden Jahr aussäten, waren das Ergebnis einer Kreuzung zwischen den beiden Arten. Die Hybride 'Rozanne' ist mittlerweile ein weltweiter Verkaufserfolg. Sie wird vielfach auch unter dem Namen 'Jolly Bee' angeboten.
